Brauwirtschaft

Brauerei in Tøeboò

 

Das Bierbrauen hat in Böhmen eine uralten Tradition, welche schon im Zeitraum des frühen Feudalismus belegt ist. Die ersten Bierbrauer in Prag werden nämlich im Jahre 1082 angeführt. Die historisch älteste Einrichtung zur Herstellung von Bier in Tøeboò besaß die Augustiner Ordenskanonie auch sehr bald - im Jahre 1367. Am Ende der 70er Jahre und Anfang der 80er Jahre des 14. Jahrhunderts wird dann auch die herrschaftliche Braupfanne auf der Tøeboòer Burg erwähnt, die für den Bedarf der Obrigkeit aber auch der Stadtbewohner diente. Von der leitet auch die heutige Brauerei ihren Ursprung ab.

Die Bürger besaßen 4 Mälzereien innerhalb der Stadttore und 6 davor. Die Herstellung von Bier zum Verkauf betrieb die Stadt als Korporation und einzelne Bürger, die es in eigenen Häusern zapften oder es eine Meile weit (10 km) von der Stadt an Wirte in den umliegenden Dörfern lieferten. Von der Malzherstellung sowie vom Bierbrauen zum Verkauf waren jedoch die Vorstadtbürger ausgeschlossen. Peter von Rosenberg erteilte im Jahre 1505 der Tøeboòer Gemeinde für die ewigen Zeiten das Recht weißes (Weizenbier) Bier zu brauen und zu verkaufen, damit es aus diesem Erlös für die städtischen Gebäude und den städtischen Bedarf sorgen kann. Die Gemeinde errichtete deswegen im Rathaus neben dem Schloss ein Brauhaus (das benachbarte Haus des einstigen Wirtshauses "U beránka"). In der Rathausbrauerei braute die Gemeinde Ende der 50er Jahre des 16. Jahrhunderts um die 116 Braugänge Weißbier. Für jeden Braugang wurden 16 Viertel (4 602,8 hl) Bier jährlich.

Diese beiden Brauhäuser schlossen sich wahrscheinlich erst im Jahre 1566 nach dem Bau des neuen Renaissance-Rathauses auf dem Marktplatz zusammen, dessen hinteren Trakt die Objekte des gemeinsamen Rathaus-Nachbar-Brauerei bildeten (das heutige Areal von Beseda). In diesem Zeitraum arbeiteten also in der Stadt drei bis vier Brauhäuser. Als Rohstoff für die Herstellung von Malz wurde granneloser Weizen verwendet, der als Wintersaat angebaut wurde und zwei- bis sechsreihiger Roggen, als Frühlings- oder auch als Wintersaat angebaut. Das Getreide wurde zu drei Vierteln eingekauft. Hopfen wuchs bei uns seit jeher wild und anfangs wurde diese nicht veredelte Sorte genommen. Über die Saat des "Hopfengewürzes" spricht man auf dem Rosenbergischen Dominium das erste Mal im Jahre 1430. Der herrschaftliche Hopfenmeister wird in Tøeboò schon im Jahre 1522 erwähnt.

Die Einrichtung der damaligen Brauereien war noch sehr primitiv. Die Schlossbrauerei besaß vor dem Ende der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts eine Kupfer-Braupfanne, einen Mischbottich und 16 Gärbottiche. Wenn wir dazu noch einige Fässer, Fülltrichter, Humpen und Schaufeln zählen, haben wir wahrscheinlich seine gesamte technische Einrichtung beisammen. Damit das Korn beim Mälzen ordentlich keimt, war es notwendig, die Feuchtigkeit, Temperatur sowie auch die Dauer einzuhalten, dasselbe galt auch für das Trocknen des Malzes. Das Getreide wurde in einer Kufe naß gemacht, dann wurde es im Tennenraum ausgebreitet, damit es keimt. Nach dem Keimen wurde das Malz auf die Malzdarre gebracht, wo es auf Holzhürden so gemälzt wurde, dass es nicht anbrennt. Getrocknet wurde es mittels Rauchgasen. Das getrocknete Malz wurde in einer Mühle gemahlen und in Säcken in das Brauhaus geliefert. Das gemahlene Malz wurde vorerst in der Misch- oder Maischkufe mittels Wasser im warmen Zustand extrahiert. Der süße Extrakt, Süßwürze genannt, trennte sich von der nicht auflösbaren Trester, die als Futter für das Vieh verwendet wurde. Die Trennung der Süßwürze von der Trester wurde in der Maischkufe über das Korbgeflecht vorgenommen. Die gewonnene Süßwürze wurde mit dem Hopfen in der Kupfer-Braupfanne gebraut, unter der mit Holzscheiten geheizt wurde. Beim Trocknen wurde das "Malzdarre-" und beim Brauen das "Brau"-Holz genommen. So entstand die Bierwürze, die in seichte Kufen, Rinnen genannt, gegossen wurde. Erst die ausgekühlte Bierwürze ließ man in weiteren Kufen, in gewölbter Füllkammer gelagert, gären. Nach dem anfänglichen Gären, wobei damals bei uns das sog. Obergären üblich war, wurde das Bier in Fässer abgefüllt, damit es in den Lagerkellern fertig gärt und aufschäumt. Damit war der Prozeß des Bierbrauens abgeschlossen.

Die ursprüngliche Herrenbrauerei im Schloss, die meistens für den Bedarf der Obrigkeit weißes und manchmal auch rotes Bier braute, wurde zwei Mal erweitert (im Jahre 1482 um neue Keller und im Jahre 1522 wurden die Füllkammer, die Dächer sowie auch anderes umgebaut). Trotzdem war sie aber noch immer nicht imstande den gesamten Bedarf des bestimmten Teiles der damaligen Herrschaft zu decken und von diesen Absatzstellen das städtische Bier zu verdrängen. Daher berief der Herrscher Vilém von Rosenberg im Jahre 1560 einige italienische Baumeister (z.B. Ondøej Vlach von Lomnice, Pavel und Alexander dell Aqua, Jan Bernart von Voltelino sowie auch weitere), die innerhalb kurzer Zeit in der unteren Burg eine neue Brauerei erbauten. Die Obrigkeit entzog dann den Tøeboòer Bürgern das Recht, weißes Bier zu brauen, so daß sie nur rotes oder gemischtes Bier ausstoßen durften, und sie begann die Untertanendörfer zu versorgen, da die neue Herrenbrauerei zwei bis drei Braugänge wöchentlich braute.

Als man im Jahre 1584 mit dem Bau des Teiches Rožmberk angefangen hat, mußte die Stadt der Obrigkeit gegen Ersatz ihre Brauerei abtreten, da es die Herrenbrauerei nicht geschafft hat, eine so hohe Zahl von Arbeitern zu versorgen. In der Gemeindebrauerei braute dann der Herrscher Vilém nur rotes und altes Bier, und zwar 30 Braugänge zu 21 Vierteln Bier jährlich. Die ursprüngliche Frist von drei Jahren verlängerte sich bis ins Jahr 1592, als Petr Vok von Rosenberg die Gemeindebrauerei der Stadt wieder zurückgab. Im Jahre 1618 brannte Tøeboò nieder und das Feuer ergriff auch das Rathaus mit der Brauerei. Die Gemeinde ließ noch im selben Jahr errichten und man braute dort für sie sowie auch für einzelne Bürger.

Als Petr Vok von Rosenberg im Jahre 1592 der Stadt Tøeboò die Gemeindebrauerei zurückgab, verordnete er das gleiche Objekt des sekularisierten Augustinerordens restaurieren, das im 16. Jahrhundert außer Betrieb war. Im Rahmen der Sanierungen wurde auch eine neuen Braupfanne angeschafft, die gegen ein hohes Entgelt im Jahre 1611 ein Kesselmeister aus Jindøichùv Hradec gefertigt hat. Diese kleine Brauerei erhöhte dann die Produktionskapazität des Obrigkeits-Bierbrauens bis zum Anfang des Dreißigjährigen Krieges. Es scheint, daß nach dem Jahre 1622 die Produktion in der bürgerlichen Brauerei aufhörte und erst Ende 1628 wieder erneuert wurde, als der Kaiser Ferdinand II. der Stadt und auch den Bürgern das Recht bestätigte, Weizen- und auch Roggenbier zu brauen. Infolge der Kriegsleiden wuchs auch die Verschuldung der Stadt und seit der Mitte des 17. Jahrhunderts verzichteten daher die Bürger auf das Braurecht zugunsten der Gemeinde bis zur Bezahlung der Stadtschulden. Seit dem Jahre 1754 hat die Gemeinde die Brauerei vermietet. Das Feuer, das im Jahre 1781 fast die ganze Stadt ergriff, machte auch vor der neu errichteten bürgerlichen Brauerei nicht halt. Die Produktion dort wurde zwar relativ bald erneuert, aber das ganze Objekt wurde wesentlich kleiner. Aus den niedergebrannten Räumen oberhalb der Füllkammer wurde im Jahre 1797 der Redutensaal errichtet, und an der Stelle des verbrannten Malzraumes entstand im Jahre 1833 das ständige Stadttheater. Im Jahre 1799 ging die Verwaltung der Brauerei in die Hände des brauberechtigten Bürgertums (Besitzer von 97 Bürgerhäusern) über, die sie bis ins Jahr 1811 gegen eine immer wachsende Miete vermieteten. Seit diesem Jahre übernahmen die Brauberechtigten für fast ein halbes Jahrhunderts die Brauerei in die eigene Regie.

Die Brauerei des sekularisierten Augistinerkanonie war am Anfang des Dreißigjährigen Krieges außer Betrieb. Als es im Jahre 1631 zur Erneuerung dieses Ordensinstitutes kam, war es nötig, schrittweise auch seine wirtschaftliche Basis zu sanieren. Deshalb setzte in der Mitte des 17. Jahrhunderts der Probst Norbert Herrmann auch die Brauerei in Betrieb. Es wurde dort für den Bedarf des Konvents, aber vor allem deshalb gebraut, damit die eigenen Untertanendörfer mit Bier versorgt werden konnten (9 ganze Dörfer und 11 Teile). Außerdem bemühte sich die Kanonie in der Mitte des 17. Jahrhunderts auch der bürgerlichen Brauerei zu konkurrieren, als sie begann ihr Bier in dem sog. Seelenhaus, in der Pforte und in der Vorstadt zu zapfen. Deshalb entstanden zwischen ihr und den Bürgern einige Gerichtsstreite. Im Jahre 1688 wurden ein neuer geräumiger Klostermalzraum und Speicher erbaut. Die ursprüngliche Brauerei der Kanonie brannte im Jahre 1723 nieder und der Abt Vojtìch Prechtl ließ auf einem Teil des Burggrabens im Zusammenhang mit den bisherigen Objekten dieses Ordensinstitutes einen neue Brauerei erbauen. Es geschah in den Jahren 1726 - 1730. Darin errichtete dann der Kesselmeister Hieber aus Jindrichùv Hradec im Jahre 1755 einen neue Kupferbraupfanne. Die Brauerei der Kanonie braute ihr Bier aus Roggenmälzen und stieß von einem Braugang 20 Fässer (50 hl) aus. Seine Produktionskapazität betrug im 18. Jahrhundert 695-860 Fässer (1 769,4 hl 2 189,5 hl). Mit der Auflösung der Kanonie im Jahre 1785 erlosch auch ihre Brauerei.

Die Tøeboòer Herrschaft, die hauptsächliche rohstoffmäßige Basis und der Absatzraum der Herrenbrauerei, erlitt während des Dreißigjährigen Krieges sehr große Schäden. Es ist daher offensichtlich, daß unter diesen Umständen auch die Obrigkeitsbrauerei nicht gut prosperieren konnte, die in den Jahre 1613-1622 wahrscheinlich gar nicht braute. Nach der Ausplünderung, wo dort nur einige große Kufen überblieben, begann sie ihren Betrieb etwa im Jahre 1623 und gebraut wurde Weiß-, Alt- und Mischbier. Nach dem Zustand der Herrschaft scheint es, daß sie ständig mit unendlichem Mangel an Rohstoffen und wahrscheinlich auch mit dem Absatz kämpfen mußte. Der schlechte Zustand der Brauerei zwang den Besitzer der Herrschaft zum Bau eines neuen Objektes unterhalb des Teich-Dammes von Svìt in der Nähe des Goldenen Grabens. In den 90er Jahren des 17. Jahrhunderts wurden schon die Fundamente und eine Teil der Hauptmauern fertig gebaut, aber man kam darauf, daß die Abgelegenheit des Gebäudes später dem Personal eine Gelegenheit zu unehrlichen Manipulationen geben konnte. Aus diesem Grund wurde der Bau eingestellt.

Eine neue Ära des Obrigkeitsbierbrauens zeichnet der Bau einer modernen Herrenbrauerei an der Stelle des früheren Rosenbergischen Zeughauses zwischen der Svinenská- und Novohradská-Tor vor. Dem italienischen Baumeister Giacomo de Maggi wurde die Aufgabe gestellt, ein solches Projekt zu entwerfen, in dem man für 9 Monate Malz für 110 bis 112 Brauvorgänge lagern könnte und die Kellerkapazität sollte 30-40 Fässer erreichen. Als Ferdinand Fürst zu Schwarzenberg am 9. April 1698 die Bewilligung zur Aufnahme der Bauarbeiten erließ, begann ihn der bereits erwähnte Jakub de Maggi mit seinem Sohn Jan zu realisieren. Der Bau wurde wegen grober Mängel mehrmals eingestellt und die Fehler wurden nach den Entwürfen des Wiener Baumeisters Martinelli und seines Prager Kollegen Pavel Ignác Bayer behoben, der das Objekt in den Jahren 1706-1712 mit einer Gesamtauflage von 31 540 Gulden und 39 Groschen fertig gebaut hat. Das Gebäude wurde auch in den kommenden Jahrhunderten weiterhin erweitert, bis es das heutige imposante Ausmaß erreicht hat. Das Bier wird hier mit traditioneller Technologie gebraut und zur Herstellung verwendet man ausschließlich natürliche Rohstoffe.

PhDr. Václav Rameš, Staatliches Gebietsarchiv in Tøeboò